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Symposium

Freitag/Samstag, 12./13. September 2014

Im Rahmen der Ausstellung findet am Samstag, 13. September, im Schaulager ein Symposium zum Œuvre von Paul Chan statt. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Chans Digitalanimationen, Spracharbeiten, Zeichnungen, Skulpturen und Collagen durch renommierte Referentinnen und Referenten bietet sowohl für Fachleute wie auch für ein breites Publikum spannende Impulse für eine Beschäftigung mit seinen Arbeiten.

Als Auftakt zum Symposium findet am Freitag, 12. September um 18.30 Uhr ein Künstlergespräch statt zwischen Paul Chan und Kathy Halbreich, Associate Director am Museum of Modern Art, New York, und langjährige Kennerin seines Werks.

Konzept und Planung des Symposiums sind in enger Zusammenarbeit mit Laurenz-Ass.-Prof. Dr. Susanne Leeb, Schaulager-Prof. Dr. Markus Klammer und Prof. Dr. Ralph Ubl, Kunsthistorisches Seminar der Universität Basel entstanden.

Kosten: CHF 30.– / CHF 15.– (Studierende und Doktorierende mit gültiger Legi) inkl. Verpflegung am Samstag.
Für den Besuch des Artist’s Talk am Freitag, 12. September, ist auch das reguläre Ausstellungsticket gültig.
Vorträge in Deutsch und Englisch. Alle Tagungsbeiträge (ausser Artist’s Talk am Freitag, 12. September) werden in die jeweils andere Sprache simultanübersetzt.

Zur Anmeldung



PROGRAMM
FREITAG 12. SEPTEMBER 2014

18.30 Uhr
Artist’s Talk
Paul Chan im Gespräch mit Kathy Halbreich, Associate Director am Museum of Modern Art, New York

SAMSTAG 13. SEPTEMBER 2014

9.30 Uhr
Begrüssung
Isabel Friedli, Schaulager
Ralph Ubl, Ordinarius Neuere Kunstgeschichte, Universität Basel

10.00 Uhr
Das Theater gammelt auf der Strasse, das Theater repariert ein Haus
Kai van Eikels, Philosoph und Theaterwissenschaftler, Berlin

«You gotta leave something behind for the community», hört Paul Chan von einem Freund aus New Orleans, als er 2006 überlegt, an einer vom Hurrikan Katrina verwüsteten Strassenecke Samuel Becketts Waiting for Godot zu inszenieren. Zu viele Kunstprojekte seien gekommen und gegangen, ohne etwas Bleibendes für die Stadt zu tun. Wie aber kann die flüchtige, performative Kunst des Theaters einen Beitrag leisten in einer Situation, da es vor allem auf Herstellungsprozesse anzukommen scheint – nicht nur für den materiellen Wiederaufbau der überfluteten Viertel, sondern auch für den Schutz der gewachsenen Strukturen gegen Grundstückspekulation und administrative Säuberung? Wie die HBO-Serie Treme, die sich den Verbindungen zwischen New Orleans’ Musikkultur und der Wiedereroberung der Stadt durch ihre Bewohner widmet, wirft auch Chans Arbeit die Frage nach dem Verhältnis von praxis und poiesis auf: Kann vollziehendes Handeln dem Zusammenleben etwas hinterlassen wie herstellendes Handeln? Kann eine Aufführung sich in ihrer Zeitlichkeit mit den Rhythmen des Bauens, Wohnens, der täglichen Abnutzung und Regeneration von Körpern synchronisieren, um in ihren Wirkungen das kleine Spektakel, das sie abbrennt, zu überdauern?

10.45 Uhr
Ästhetische Staatsapparate. Zur Kunst der Täuschung und der Selbsttäuschung
Felix Trautmann, Philosoph, eikones NFS Bildkritik, Basel

Geht von Kunstwerken eine Form von ideologischer Anrufung aus? Oder besteht die Listigkeit der Kunst möglicherweise darin, jegliche subjektivierende Wirkung zu suspendieren? Während die Kunst durch die klassische Ideologiekritik meist pauschal auf die Seite der Verblendung, Zerstreuung und Täuschung verbannt wurde, zeigt sich bereits in den Modellen dieser Kritik (wie etwa in Platons Höhlen­gleichnis oder der camera obscura in Marx’ Deutscher Ideologie), dass sich die darin aufgerufenen bildlichen Szenen selbst der Differenz von Täuschung und Selbst­täuschung entziehen. Der Vortrag entwickelt ausgehend hiervon die Frage nach der Möglichkeit, durch ästhetische Praktiken ein nicht-wissenschaftliches Wissen von der Welt zu gewinnen und eine nicht-politische Politik der Kunst – gegen den Staat – zu denken.

Gesprächsrunde
Moderation: Susanne Leeb, Laurenz-Assistenzprofessorin für zeitgenössische Kunst, Universität Basel

12.30 Uhr
Mittagspause

13.30 Uhr
We Classicists
Richard Fletcher, Associate Professor am Department of Classics, Ohio State University

Der Vortrag untersucht das Verhältnis zwischen Gemeinschaft, klassischer Antike und Gegenwart in Paul Chans Werk. Mit Fokus auf Chans neue Werkgruppen – die Arguments und Nonprojections – wird analysiert, wie Chans unheimliche Installationen – in ihrem Ruf nach einer «unzeitgemässen» Auseinandersetzung mit antiken griechischen Gesellschaften (wie zum Beispiel Athen) oder mit ihren spielerischen und parodistischen Porträts antiker Philosophen (Platon, Diogenes, Marcus Aurelius, Plotin) – eine zeitgemässe Kritik an der Disziplin der Altphilologie üben, wie sie Nietzsche 1875 während seiner Basler Professur für klassische Philologie in Entwürfen, Skizzen und Bemerkungen mit dem Titel «Wir Philologen» verfasst hat.

14.15 Uhr
On the Necessity of Destruction
George Baker, Professor of Art History, University of California

In seiner Einführung zu Paul Chan – Selected Writings untersuchte George Baker die Tätigkeit des Arrangierens und Bildens von neuen Beziehungen, wie sie sowohl im Werk wie auch in den Schriften des Künstlers vollzogen wird, Handlungen, die auf das Kreieren von neuen Gedanken- und Bild-«Konstellationen» abzielen. In Reaktion auf die Ausstellung im Schaulager widmet sich Baker in seinem Vortrag nun der entgegengesetzten Dynamik des Aufhebens, des Kollapses, der Zerstörung und Zertrümmerung, die schon lange im Zentrum von Chans früheren Projekten vorhanden war. Im Fokus wird die den neuesten Werken eigene Besitzergreifung eines Sets wiedererkennbarer Strategien und spezifischer Arbeiten stehen, die zu Dada und Marcel Duchamp zurückführen. Der Vortrag richtet seine Aufmerksamkeit auf die Intensität dieser Wiederkehr wie auch auf die erneuerte Dynamik einer Kunst der schieren Negation und Zerstörung in unserer Zeit.

Gesprächsrunde
Moderation: Markus Klammer, Schaulager-Professor für Kunsttheorie, Universität Basel

16.30 Uhr
Apéro