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Vorträge

In der Vortragsreihe werden ausgewählte Themen im Schaffen von Paul Chan untersucht. Die Vorträge finden jeweils während der Schaulagernacht am Donnerstag im Auditorium statt. Die Kosten sind im Eintrittspreis inbegriffen. Die Informationen zu den Vorträgen werden laufend aktualisiert.

DO 15.5. 18.30 Uhr
Susanne Leeb
Laurenz-Assistenzprofessorin für zeitgenössische Kunst an der Universität Basel
«Happiness» und «Hussein». Kunst und Gesetz bei Paul Chan

Viele Arbeiten Paul Chans kreisen um die Frage von Gesetz und Ordnung, und zwar in zweifacher Hinsicht: zum einen in Bezug auf Kunst, die sich gemäss ihrem Autonomiestatus selbst ihre Gesetze gibt, und dabei, so Chan, den Philosophen Alain Badiou zitierend, ein gesetzloses Unterfangen sei. Zum anderen in Bezug auf gesellschaftliche Regeln und Gesetze. Der Vortrag geht diesem Chiasmus von Kunst und Gesetz mit Fokus auf zwei Arbeiten nach: der digitalen Videoprojektion Happiness (Finally) After 35,000 Years of Civilization (after Henry Darger and Charles Fourier), in der sich gesellschaftliche Utopien und Dystopien kreuzen, und dem Buch On Democracy by Saddam Hussein, das demokratietheoretische Schriften des ehemaligen irakischen Diktators und einige Arbeiten Chans zu Guantánamo beinhaltet.

DO 2.10. 18.30 Uhr
Brian Droitcour
Kritiker und Kurator, New York
e-books, books, bodies, freaks

Seit seiner Gründung 2010 dient Paul Chans Verlag Badlands Unlimited dem Vertrieb von Künstlerbüchern und Gedichtbänden, die anderswo keine Unterstützung erfahren. Allerdings legen Paul Chans collagierte Geschichte der Drucksachen in seinem E-Book «Wht is a book?» und seine Erforschung der Möglichkeiten von digitaler Schrift in der Sammlung an Fonts in Sade for Font’s Sake die Vermutung nahe, dass Badlands nicht bloss ein Verlag ist, sondern vielmehr eine kritische Auseinandersetzung mit neuerdings vorherrschenden Formen von Kontrolle und Verteilung betreibt. Brian Droitcour – Kritiker, Kurator und Herausgeber von Klaus_eBooks, einem Verlag für Künstlerbücher – wird die Tätigkeiten von Badlands analysieren und sich mit seiner Arbeit mit digitalen Medien auseinandersetzen, um die in E-Books codierten Formen sozialen Daseins zu umschreiben.

DO 16.10. 18.30 Uhr
Sven Lütticken
Kunsthistoriker und Kritiker, Amsterdam
Paul Chan: Rewriting the Book

Zu einem Zeitpunkt, da das Buch deutlich in der Krise steckt und sich das Gutenberg-Zeitalter seinem Ende zuneigt, greift Paul Chans Werk immer wieder die Elemente der Kulturgeschichte des Buchs und der Schrift als Speicher des kulturellen Gedächtnisses auf. Das Aufkommen des Buchdrucks ermöglichte die Entstehung von Bibliotheken in der ganzen Welt. Heutzutage, da die Bibliotheken digitalisiert werden, verzerren und verwandeln sich unsere gespeicherten Erinnerungen, und unsere Gehirne werden zum Wohle der neuen technogesellschaftlichen Ordnung neu verkabelt. In der heutigen Technokultur sind nicht nur Texte, sondern auch Bilder und Töne codiert. In dieser Situation ordnen Chans schriftbezogene Arbeiten das Verhältnis zwischen der «natürlichen» Sprache und der Programmiersprache von Algorithmen neu; sie vermischen Ebenen, die sonst sorgfältig auseinandergehalten werden. Letztendlich zielen diese Arbeiten darauf ab, neue affektive und intellektuelle Bande zu knüpfen und Formen und Strukturen zu schaffen, in denen es möglich ist, zu überleben – ja, sogar zu leben.